Ausschnitt, Andrej Dúbravský, Me as Andrea Dora as Neptune by Bronzino, but with cats, 2023, Acrylic on canvas, 100 x 115 cm, Foto: Jens Ziehe, Courtesy DITTRICH & SCHLECHTRIEM

Ein historisches Blatt von Hans Baldung Grien kehrt nach fünf Jahrhunderten in den öffentlichen Blick zurück – ein seltener Moment für Markt und Forschung. Das Palais Liechtenstein richtet den Fokus auf den Kunsthandel selbst und erzählt von Begierde, Macht und Besitz als Konstanten der Kunstgeschichte.

In Chemnitz wird die Erinnerung an eine widerständige Kunstszene der DDR wach, während Aschersleben den frühen Neo Rauch zeigt – lange bevor der Mythos begann.

Zeitgenössische Malerei stellt tradierte Bilder von Männlichkeit infrage und sucht nach neuen Formen von Identität und Nähe. Sigmar Polkes legendäres Biennale-Projekt Athanor wird aus heutiger Perspektive neu gelesen – zwischen Alchemie, Ökologie und Technologie.

Architekt Arno Brandlhuber fordert radikal: Architektur muss Haltung zeigen oder ist bedeutungslos. Und selbst das Automobil wird zum Kunstobjekt, wenn ein Porsche-Klassiker als Designstudie neu interpretiert wird.

Ernüchternder Blick auf den Galerienmarkt: Hinter beschwichtigenden Zahlen zeigt sich eine strukturelle Krise, die vor allem junge Galerien trifft – und den Kunstbetrieb nachhaltig verändern dürfte.

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Kunstmarkt & Auktionen

Ausschnitt, Hans Baldung Grien, Porträt der Susanna Pfeffinger (Sélestat 1465 – Straßburg 1538), Ehefrau Friedrich Prechters, Büste, Dreiviertelansicht nach links gewandt, 1517. Silberstift auf mit Knochenpulver grundiertem Papier, 15,7 × 10,4 cm.

Renaissance-Sensation im Auktionssaal

Nach über 500 Jahren taucht eine Zeichnung von Hans Baldung Grien wieder auf – und sorgt für Aufsehen. Am 23. März 2026 versteigern Beaussant Lefèvre & Associés und das Cabinet de Bayser im Pariser Hôtel Drouot ein bislang unveröffentlichtes Silberstiftporträt. Das Werk zeigt Susanna Pfeffinger und stammt aus Familienbesitz der Dargestellten. Es ist die einzige Silberstiftzeichnung Baldungs in privater Hand. Technik, Qualität und das originale Monogramm verweisen auf das Karlsruher Skizzenbuch – ein seltener Glücksfall für den Markt der Alten Meister. Schätzpreis: 1.500.000 € – 3.000.000 €

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Begierde, Besitz und der lange Schatten des Marktes

Das Palais Liechtenstein widmet sich der treibenden Kraft hinter der Kunst: dem Begehren. Die Ausstellung Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts erzählt vom Handel als Motor kultureller Produktion. Meisterwerke von Giambologna, Brueghel und Rembrandt treffen auf historische Dokumente, die zeigen: Kunst war immer auch Ware. Die Schau rückt ein lange verdrängtes Thema ins Zentrum der Kunstgeschichte – Geld.
➡️ zum Artikel im Parnass Magazin

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Wie schlimm steht es um die Galerien wirklich?

Nicht die spektakulären Schließungen großer Namen sind das eigentliche Alarmsignal des Kunstmarkts. Es sind die vielen jungen Galerien, die seit dreieinhalb Jahren verschwinden – leise, zahlreich, systematisch. Dutzende Insolvenzen markieren einen Strukturbruch, der tiefer reicht als aktuelle Schlagzeilen vermuten lassen.

Ein Bericht von ArtNews stellt die gängige Krisenerzählung infrage. Autor Daniel Cassady warnt vor verzerrten Daten und zitiert Kenny Schachter, der prominente Galerieschließungen in New York nicht als Beweis für einen kollabierenden Markt gelten lassen will. Zu viel Schwarzmalerei, so das Argument, könne den Abschwung sogar beschleunigen.

Doch diese Lesart greift zu kurz. Marktanalysen von Artnet News und ArtNews sind präzise, aber begrenzt. Sie erfassen vor allem sichtbare Segmente – nicht das fragile Fundament. Dort zeigt sich ein anderes Bild: Der Markt ist stärker angeschlagen, als es die aggregierten Zahlen nahelegen.

Ein Blick zurück erklärt, warum. Kunstsammeln war lange ein Terrain ohne Transparenz. Keine Datenbanken, keine Preisvergleiche, keine Auktionshistorien. Preise entstanden im luftleeren Raum. Wer kaufte, lernte teuer: überzahlte Werke, Kredite für Einzelbilder, unklare Preislogiken. Galerien setzten Preise, Auktionen arbeiteten mit verdeckten Mindestgeboten, Garantien und geschönten Zustandsberichten.

Was früher als intransparente Normalität galt, wird heute zum Problem. Ein Markt, der auf Unsicherheit gebaut ist, trägt Krisen schlecht. Die aktuellen Galerieschließungen sind kein Ausreißer – sie sind Symptom.
➡️ zur Analyse bei Hyperallergic

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Kunst

Das legendäre Künstlerkollektiv Clara Mosch und die Galerie Oben

Die Kunstsammlungen Chemnitz blicken zurück auf eine rebellische Phase der DDR-Kunst. Die Galerien Oben und Clara Mosch waren in den 1970er-Jahren Zufluchtsorte für nichtstaatliche Kunst. Die gleichnamige Künstlergruppe schrieb mit radikal freiem Arbeiten Kunstgeschichte jenseits der Doktrin. Dokumente, Briefe und Fotografien erzählen von einem kulturellen Untergrund, der bis heute nachwirkt. Im Kunstmarkt allerdings nicht! Wer es nicht nach Chemnitz schafft, sollte sich unbedingt die 93 Minuten Dokumentation in der ARD Mediathek anschauen. Und während hierzulande oftmals immer noch die Nase gerümpft wird, forscht das Getty Center in Los Angeles schon seit Jahren zum Künstlerkollektiv.
➡️ zur Ausstellung in Chemnitz

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Neo Rauch, bevor er Neo Rauch war

In Aschersleben zeigt die Grafikstiftung frühe Zeichnungen von Neo Rauch. Entstanden zwischen 1965 und 1968, offenbaren sie ein erstaunlich klares Talent: Kriegsszenen, Porträts, surreale Bildwelten. Rund 100 Kinderzeichnungen treffen auf aktuelle Arbeiten. Die Ausstellung macht sichtbar, wie früh sich eine unverwechselbare Bildsprache ankündigte. Es geht also mal nicht um seine mittlerweile sehr teuren Bilder.
➡️ Kritik zur Ausstellung

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Neue Bilder von Männlichkeit

Die Malerei verhandelt ein Thema, das ins Wanken geraten ist: Männlichkeit. Junge Künstler brechen mit dem Ideal des starken Mannes und zeigen Verletzlichkeit, Intimität und queere Perspektiven. Kritiker sprechen von einer neuen Intimität in der Malerei. Was entsteht, ist kein neues Dogma, sondern ein offenes Feld – zwischen Identitätsverlust und Neubeginn.
➡️ 12 Bilder einer neuen Männlichkeit

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Polkes Alchemie, neu gelesen

Vierzig Jahre nach der Biennale von Venedig kehrt Sigmar Polkes „Athanor“ zurück – als Forschungsprojekt. Athanor NOW, initiiert von der Anna Polke-Stiftung, verbindet Kunst, Wissenschaft und Gegenwartsfragen. Ökologie, Materialität und Technologie rücken Polkes Werk in ein neues Licht. Der Künstler erscheint als das, was er immer war: ein Alchemist der Moderne.

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Individuell gestalteter Porsche 964 Targa, von David/Nicolas, Foto: Malek Hosni)

Design & Architektur

Architektur als Haltung - Interview mit Arno Brandlhuber

Arno Brandlhuber hält nichts von schöner Oberfläche. Für ihn ist Architektur politisch – oder irrelevant. In Basel stellt er nicht seine Werke aus, sondern den Raum selbst. Umbau statt Abriss lautet sein Credo, Aktivismus statt Ästhetik. Brandlhuber denkt Gebäude als soziale Prozesse. Provokant, konsequent, wirksam.
➡️ zum Interview

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Porsche 964 Targa von 1990 neu interpretiert

Ein Porsche 964 Targa, neu gedacht. Das Mailänder Studio David/Nicolas verwandelt den Klassiker von 1990 in ein handwerkliches Statement: Teakholz, Messing, Connolly-Leder. Auftraggeber ist Assaad Raphael, Porsche-Importeur im Libanon. Das Ergebnis: kein Auto, sondern ein Objekt zwischen Luxus, Erinnerung und Gestaltungslust.
➡️ zum Artikel

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